Warum die richtige Ladungssicherung so wichtig ist
Ein Auto auf dem Autotransportanhänger wiegt schnell mal 1'000 bis 1'800 Kilogramm. Wird diese Last nicht korrekt gesichert, kann sie beim Bremsen, in Kurven oder auf holprigen Strassen ins Rutschen geraten – mit fatalen Folgen für dich und andere Verkehrsteilnehmer. In der Schweiz schreibt die Verkehrsregelnverordnung (VRV) vor, dass jede Ladung so zu sichern ist, dass sie niemanden gefährdet und nicht herunterfallen kann.
Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen und passendem Zubehör ist das Verzurren eines Autos keine Hexerei. In diesem Ratgeber zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du dein Fahrzeug sicher und vorschriftsgemäss auf dem Transportanhänger befestigst.
Das brauchst du zur Autosicherung
Bevor du loslegst, solltest du folgendes Material bereithalten:
- 4 Zurrgurte (Ratschengurte) mit ausreichender Zuglast – idealerweise mit einer Lashing Capacity (LC) von mindestens 2'000 daN pro Gurt
- Radgurte / Felgengurte (auch Autotransportgurte genannt) – die sicherste Methode für moderne Fahrzeuge
- Keile oder Radstopper – oft bereits am Anhänger montiert
- Handschuhe für besseren Grip
- Taschenlampe für die Kontrolle der Zurrpunkte unter dem Fahrzeug
Achte darauf, dass alle Gurte unbeschädigt sind. Ausgefranste, eingerissene oder verschlissene Gurte gehören sofort ersetzt – daran solltest du nicht sparen, denn sie sind das Herzstück deiner Ladungssicherung.
Schritt 1: Das Auto richtig auffahren und positionieren
Fahre das Fahrzeug langsam und gerade auf den Anhänger auf. Lass dir dabei am besten von einer zweiten Person einweisen. Die richtige Position ist entscheidend für die Achslast und die Stabilität des Gespanns.
Die Faustregel zur Gewichtsverteilung
Etwa 60 Prozent des Gewichts sollten vor der Anhängerachse liegen. Das sorgt für eine ausreichende Stützlast auf der Anhängerkupplung und verhindert das gefürchtete Aufschaukeln bei höheren Geschwindigkeiten. Die maximal zulässige Stützlast findest du auf dem Typenschild deines Zugfahrzeugs und des Anhängers.
Ist das Auto zu weit hinten positioniert, kann der Anhänger anfangen zu «schlingern». Ist es zu weit vorne, wird die Kupplung überlastet. Nimm dir für die richtige Position ruhig etwas Zeit.
Sobald das Auto steht: Handbremse anziehen und den Gang einlegen (bei Automatik auf «P»). Diese beiden Massnahmen sind die erste Sicherung – reichen aber alleine nie aus!
Schritt 2: Die Räder sichern (Radgurt-Methode)
Die sicherste und heute gebräuchlichste Methode ist die Sicherung über die Räder. Dabei wird das Fahrzeug nicht am Rahmen oder an der Karosserie befestigt, sondern direkt an den Reifen fixiert.
So funktioniert der Radgurt
- Lege den Radgurt über den Reifen, sodass er den oberen Bereich des Rades umschliesst.
- Hake beide Enden in die dafür vorgesehenen Zurrpunkte oder Schienen des Anhängers ein.
- Ziehe die Ratsche an, bis der Gurt straff über dem Reifen sitzt und das Rad fest in die Ladefläche gepresst wird.
- Wiederhole den Vorgang für mindestens die beiden Vorderräder – idealerweise für alle vier Räder.
Der grosse Vorteil: Die Radgurte drücken das Fahrzeug über die Federung nach unten und halten es so in alle Richtungen sicher fest. Zudem schonst du die Karosserie und den Rahmen, da keine Gurte an empfindlichen Bauteilen ziehen.
Schritt 3: Alternative – Sicherung am Fahrzeugrahmen
Verfügt dein Anhänger nicht über Radschienen, kannst du das Auto auch mit Zurrgurten am Rahmen oder an den vorgesehenen Abschleppösen befestigen. Beachte dabei:
- Verwende nur stabile Anschlagpunkte wie den Fahrzeugrahmen oder werkseitige Zurr-/Abschleppösen – niemals Lenkung, Achsen, Stossstangen oder Bremsleitungen.
- Ziehe die Gurte im sogenannten Diagonalzurren an: nach vorne und nach hinten überkreuz, damit das Fahrzeug in alle Richtungen gehalten wird.
- Der ideale Zurrwinkel liegt zwischen 30 und 45 Grad zur Ladefläche.
Wichtig: Bei modernen Fahrzeugen mit Aluminium-Bauteilen oder Kunststoffverkleidungen ist die Radgurt-Methode fast immer die bessere Wahl, da du hier keine empfindlichen Teile beschädigst.
Schritt 4: Die Endkontrolle
Bevor du losfährst, geh folgende Checkliste durch:
- Sitzen alle Gurte straff und ohne Verdrehungen?
- Ist die Handbremse angezogen und ein Gang eingelegt?
- Sind Radkeile korrekt platziert?
- Ist die Beleuchtung des Anhängers angeschlossen und funktionsfähig?
- Sind lose Teile (Antennen, Aussenspiegel bei Bedarf) gesichert?
- Stimmt die Gewichtsverteilung und ist die Stützlast korrekt?
Nach den ersten Kilometern solltest du an einem sicheren Ort kurz anhalten und die Gurte nachziehen. Durch die Fahrterschütterungen und das Setzen der Federung können sich die Gurte lockern.
Schweizer Vorschriften: Das musst du beachten
In der Schweiz gelten klare Regeln für den Anhängerbetrieb:
- Gesamtgewicht: Das Gewicht des beladenen Anhängers darf die im Fahrzeugausweis eingetragene Anhängelast nicht überschreiten.
- Führerausweis: Für schwere Anhänger benötigst du je nach Gesamtgewicht die Kategorie BE. Prüfe, ob deine Kombination unter die Kategorie B fällt.
- Tempolimit: Mit Anhänger gilt auf der Autobahn in der Regel eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.
- Ladungssicherung: Gemäss VRV muss die Ladung so gesichert sein, dass sie bei normalen Fahrmanövern (Vollbremsung, Ausweichen) nicht verrutscht.
Bei einer Polizeikontrolle kann ungenügende Ladungssicherung zu Bussen und im schlimmsten Fall zum Fahrverbot vor Ort führen. Die paar Minuten fürs korrekte Verzurren lohnen sich also in jedem Fall.
Häufige Fehler beim Autotransport
Diese Fehler solltest du unbedingt vermeiden:
- Zu wenig Gurte: Zwei Gurte reichen bei einem tonnenschweren Auto nicht. Verwende mindestens vier.
- Falsche Anschlagpunkte: Gurte an Achsen oder Federn können Bauteile beschädigen und lösen sich schneller.
- Verdrehte Gurte: Verdrehte Gurtbänder verlieren an Belastbarkeit.
- Vergessenes Nachziehen: Kontrolliere die Gurte nach den ersten Kilometern.
- Ignorierte Stützlast: Eine falsche Gewichtsverteilung ist die häufigste Ursache für Schlingern.
Fazit: Sicherheit ist keine Kunst
Ein Auto korrekt auf dem Transportanhänger zu sichern, ist mit dem richtigen Material und etwas Sorgfalt schnell erledigt. Die Radgurt-Methode ist für die meisten Fahrzeuge die beste Wahl, weil sie sicher, schonend und schnell ist. Achte immer auf eine korrekte Gewichtsverteilung, straff sitzende Gurte und die Einhaltung der Schweizer Vorschriften.
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